Geschichte Sankt Johann im Pongau

Entwicklung der Stadt im Herzen des Salzburger Landes

Bauer beim Pfluegen vor dem Pongauer Dom um 1950

Rund 60 km südlich der Stadt Salzburg liegt im breiten Tal der Salzach auf 615 m Seehöhe Sankt Johann, die Bezirkshauptstadt des Pongaues. In den letzten Jahrzehnten erlebte die Stadt ein überaus starkes Wachstum (1920: 3.360 Einwohner, 1991: 8.855 Einwohner, 2000: 10.261 Einwohner, 2005: 10.500 Einwohner, 2010: 10.700 Einwohner).

 

Bereits in der Bronzezeit (ca. 2000 v. Chr.) ist die Umgebung der heutigen Stadt besiedelt, weitere Spuren sind auch aus der Keltenzeit und späteren Römerzeit nachzuweisen. 924 n. Chr. ist das Gebiet des heutigen St. Johann in erzbischöflichen Urkunden aufgezeichnet, aus 1074 gibt es die Nennung „ad sanctum Johannem in villa“.

 

Die Entwicklung zum Markt ist ab 1290 belegt, ebenso der Bau und die Einweihung einer Kirche an der heutigen Stelle um 1329. Einen Wochenmarkt erhält St. Johann 1425. Zur Zeit der Bauernkriege 1525/26 schlossen sich die Sankt Johanner den protestantischen Aufständen gegen den Erzbischof von Salzburg an, was in der Folge zur Plünderung und Zerstörung des Marktes führte.

 

Nach positiver Entwicklung im 16. und 17. Jahrhundert (landesfürstliche Sonderrechte und selbstständiges Landgericht) erlitt Sankt Johann am Anfang des 18. Jahrhunderts durch die Ausweisung der Protestanten einen großen Rückschlag. Von den ca. 20.000 Vertriebenen aus dem Pongau, die sich in Ostpreußen und Nordamerika ansiedelten, stammten 2.500 Personen allein aus Sankt Johann.

 

1809 erlebte der Markt im Zuge der Napoleonischen Kriege Notzeiten. (Das Land wurde anschließend erst 1816 Österreich zugehörig.) Nach den Franzosenkriegen entstand eine mannigfaltige wirtschaftliche Entwicklung, die durch eine Vielfalt von Gewerben und eine bedeutende Viehzucht gekennzeichnet war. Am 31. Mai 1855 vernichtete ein Großbrand fast den ganzen Ort einschließlich der Kirche, die im neugotischen Stil wieder aufgebaut wurde. 1871 stürzte jedoch ihr Turm ein. (Endgültige Fertigstellung des „Pongauer Doms“ mit zwei 62 m hohen Türmen 1876). Als einziges historisches Gebäude aus dem Spätmittelalter ist die Annakapelle erhalten geblieben.

 

Im Ersten Weltkrieg beklagte Sankt Johann, das damals noch aus einer Markt- und Landgemeinde gebildet wurde (Zusammenschluss 1938), 118 Gefallene. 1929 erhielt Sankt Johann das Recht zur Führung eines Wappens, das im Schild die Figur des heiligen Johannes zeigt.

 

Von 1938 bis 1945 musste sich die Gemeinde „Markt Pongau“ nennen und während des Zweiten Weltkrieges befanden sich Lager mit Kriegsgefangenen aus Jugoslawien, Frankreich und der UdSSR im Gemeindegebiet, wovon u.a. noch ein Russenfriedhof zeugt.

 

Nach dem Abzug der US-Truppen 1955 begann im Ort eine rege Bautätigkeit. Die Wirtschaft erlebte einen raschen und beständigen Aufschwung, wobei das Gewerbe, der Dienstleistungszweig, der Handel und der Fremdenverkehr die Stützen bildeten. In der Folge wurde Sankt Johann Schulmittelpunkt.

 

In den letzten Jahren entwickelte sich vor allem der Tourismus zu einem bedeutenden Wirtschaftszweig. Der Ortsteil Alpendorf ist als „Ferienparadies“ und als Einstiegstelle in die Salzburger Sportwelt bzw. Ski amadé weit über die Grenzen des Landes bekannt. Besonderer Beliebtheit erfreut sich die sagenumwobene Schlucht „Liechtensteinklamm“, die 1876 für die Öffentlichkeit erschlossen wurde und jährlich über hunderttausend Besucher anlockt.

 

Am 24. Juni 2000, dem Namenstag des Hl. Johannes wurde die Marktgemeinde Sankt Johann durch den Salzburger Landtag feierlich zur Stadt erhoben. Dies stellt eine große Auszeichnung dar und eröffnet einen neuen Abschnitt in der Geschichte von Sankt Johann im Pongau.